Premierenbericht 27. April 2008
Siegfried (Wagner)
Wiener Staatsoper
Nach der musikalisch wie regielich entmutigenden Walküre des Dezembers 2007 wurde nun der Ring am Haus am Ring in Wien mit Siegfried weitergeführt. Franz Welser-Möst, meines Erachtens in der Walküre völlig daneben und höchstens kapellmeisterlich unterwegs, hat den Siegfried viel besser intus und vermag mit den brillaten Wiener Philharmonikern im Orchestergraben einen wunderschönen Wagnerklang zu meistern. Einzigartig die Sängerbesetzung: Nina Stemmes Debüt als Brünnhilde – sie vermag, belcantogeschult, diese kurze Partie mit schöner Linie und klarsten Spitzentönen zu singen. Steven Gould ist der Siegfried unserer Zeit: schon in Bayreuth unter Thielemann bewiesen, teilt er sich die mörderische Partie genau ein und punktet so in den Schmiedeliedern des ersten, den langatmigen Passagen des zweiten und im Schlussduett des dritten Aktes. Juha Uusitalo ist zwar kein Wagner-Bass-Bariton par excellence, dafür aber ein exzellenter Stimmführer und edler Sänger. Herwig Pecoraro ist Mime, spielfreudig und witzig im Gesang, wenngleich man sich einen jungen, frischen Charaktertenor gewünscht hätte. Anna Larsson als Erda ist Luxus ! Besser gehts nicht. Die Regie: Sven-Eric Bechtholf möchte den Ring erzählen, ihn weniger interpretieren, als manche seiner Kollegen es tun. Für ihn liegt die Regie schon in der Geschichte und wo er recht hat, hat er wohl recht: genauestens wird der Schmiedevorgang von Nothung inszeniert, der Drache lugt mit riesigem Auge durch die Höhlenöffnung und packend wird ohne großen Aufwand das Aufeinandertreffen Siegfrieds mit Brünnhildes gezeigt. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Wir warten auf die Götterdämmerung im Dezember und das Rheingold im nächsten Jahr.
(copyright//Andreas Vogl)